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Keuchend standen sie an die Wand gelehnt. «Ich kann nicht mehr», sie beugte sich vor und schnappte mühsam nach Luft. «Ich kann wirklich nicht mehr, Willi!» «Du musst durchhalten», flüsterte Willi. «Du weisst, was mit uns geschieht, wenn die uns kriegen…» Sie richtete sich auf und spürte wie Wellen der Angst über sie hinwegfluteten. Ihr Herz klopfte, als ob es zerspringen wolle, und ihre Glieder waren weich wie Gummi. Sie war überzeugt, nicht weiterzukönnen, doch als Willi sie bei der Hand nahm und fortzerrte, setzte sie mechanisch Schritt vor Schritt. Sie hasteten durch die dunklen Strassen der Stadt, begleitet nur vom Vollmond, der wie ein stummer Zeuge lächelnd auf sie hinabblickte. Ihre Schritte hallten an den schwarzen Hausmauern wider und Hannah meinte, alle, die hinter den geschlossenen Fensterläden schliefen, müssten davon erwachen. Doch nichts rührte sich, keine verschlafenen Gesichter, die hinter sich öffnenden Fensterläden nach Ruhe schrien, keine Spätheimkehrer, die ihren Weg kreuzten, nicht einmal Autos, die auf den Strassen fuhren. Teilnahmslos starrte Hannah auf die alten, kleinen Einfamilienhäuser, die zu ihrer Rechten erschienen. Wie riesige Gesichter blickten die verwahrlosten Fassaden gleichgültig auf die Flüchtenden nieder. Du weisst, was mit uns geschieht, wenn die uns kriegen… Willis Worte hatten sich in ihrem Kopf festgekrallt. Hannah spürte einen Stich der Verzweiflung in sich aufsteigen. Die schmerzenden Beine und die stechende Seite wären nicht weiter schlimm gewesen, aber die Angst nagte an ihren Kräften. Willi bog zielsicher von der Hauptstrasse ab. Links vor ihnen lag ein kleiner, von Erlen umsäumter Platz, und mittendrin ein klobiger grauer Betonbrunnen, der kein Wasser mehr spie. Ausser einem schwachen Rascheln, das der durch die Bäume kämmende Wind verursachte, war nichts zu hören. «Wir haben sie bestimmt abgeschüttelt, Willi», keuchte Hannah und blieb auf dem Platz stehen. Sie lehnte sich gegen einen weissen Stamm. Die rauhen Unebenheiten des Holzes beruhigten sie ein wenig, gaben ihr aber gleichzeitig die unerträgliche Gewissheit, nicht in einem Albtraum gefangen zu sein. «Komm», drängte Willi, der einige Meter vor ihr stehen geblieben war. «Wir müssen aus der Stadt verschwinden!» Wie ein böser Vorbote schob sich eine schwarze Wolke vor den Mond und tauchte den Platz in ein tiefes Schwarz. Hannah blickte zum Himmel, dann wieder zu Boden. Die Schatten tänzelten über Willis Gesicht, versteckten es und gaben es wieder frei. Ein Gefühl der Hilflosigkeit überkam sie, und sie setzte sich langsam in Bewegung. Sie musste jetzt Willis Nähe spüren, seine Hand halten, damit sie nicht hier stehen blieb und sich ihrem Schicksal überliess. Keiner der beiden hatte den winzigen Lichtpunkt am Ende der Strasse bemerkt, der mit jedem Meter, den er hinter sich brachte, an unheilvoller Intensität gewann. Einer Springflut gleich stiessen die Lichtstrahlen plötz­lich auf sie nieder und überfluteten sie mit gleissender Helligkeit. Hannahs Nägel gruben sich hart in Willis Knöchel, doch Willi spürte nichts. Seine linke Hand auf Augenhöhe erhoben, stand er wie angewurzelt da, ausserstande davonzulaufen oder gar sich zu bewegen. Aus dem Dunkel, das ausserhalb ihres Lichtgefängnisses herrschte, tauchten von allen Seiten schwarz gekleidete Männer auf, die sich langsam und rhythmisch auf sie zu bewegten. Autorin Anna Troyer 
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1 Kommentar zu “Kurzkrimi - Das Geheimnis von Nyvid”

Das ist ein toller Krimi, ich warte auf noch mehr Spannendes.

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