Kreative Texte (4) aus einem Workshop in Zürich 2006.
Thema: Ferien.
Thema: Ferien.
Strandgeranien
Wabbelndes Wohlstandsfett, manchmal nackt wie Adam seinerzeit, manchmal eingezwängt in knappes Tuch. Tanga-Badehosen, engsitzende Leggings, knappe Oberteile, die kaum das weisse Fleisch verbargen. Gitte hatte das Gefühl im teuflischen Teil des Paradieses gelandet zu sein. Alte Männer mit überhängender Bauchmuskulatur und dem runterhängenden Teil, das sie als Männer auswies, drehten sich ihr stolz zu, wenn sie sie schon von weitem kommen sahen. Reckten stolz ihr bestes Teil in die Höhe und hofften auf bewundernde Blicke der jungen, hübschen Frau. Gitte indes versuchte, sich auf den Sandboden zu konzentrieren, um dieser Pfauenschau zu entgehen. Doch das gelang ihr nicht immer. Bis sie auf den Gedanken kam, zu zählen. Zählen, wieviele kleine, grosse, schrumpelnde, knackige Pos und… Nein, das war zu unangenehm und anstrengend. Also setzte sie sich in den warmen Abendsand und hörte dem Rauschen der Wellen und dem Kreischen der Möwen zu. Genoss den Wind, der ihr um die Ohren blies und ihr Haar sachte wehen liess wie eine Fahne.
Wie die ausladenden Rundungen eines liegenden Rubensengels erstreckte sich die Hügellandschaft der kargen Vulkaninsel vor Gitte. Trauriges Klagen wie das eines verängstigten Kindes wurde vom Winde getragen und liess irgendwo in der Einöde eine Ziege erahnen, die sich in Schwierigkeiten befand. Die Stille hüllte Gitte ein, und sie musste unwillkürlich an Masada denken. Die furchtlosen Streiter Gottes, die sich in der Wüste Negev vor dem Zugriff der Römer verschanzt hielten. Gitte erhielt eine vage Idee der Mutlosigkeit, die diese tapferen und verwegenen Männer in dieser Stille überkommen konnte, wenn keine Kinder schrien, keine alten Weiber schwatzten, kein Baulärm von unten zu hören war.
Die Schatten der einzelnen Wolken legten sich wie dunkle Gesichter über die Hügel. Rote Erde, einem pickligen Gesicht ähnlich, durchzogen von kleinen Grasbüscheln…
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