|
Nicht länger auf Kosten gequälter Kreaturen leben: Im Buch «Anständig Essen», schildert Karen Duve, wie ihr geschah, als sie versuchte, ein besserer Mensch zu werden.
Deutschland hat wieder einen Lebensmittelskandal: krebserregende Dioxine in Eiern. Ausgelöst durch die Profigier eines Futterherstellers. Man kennt die Zustände in den Massentierbetrieben, weiss, dass die Tiere oft nicht tot oder kaum betäubt sind, wenn sie aufgeschnitten werden, Gänse für die Gewinnung von Daunen lebend gerupft, Ferkel ohne Betäubung kastriert werden.
Auch die Autorin Karen Duve hat es gewusst. Sie kannte die Schreckensbilder aus Legehennen- und Hühnerfarmen, sie kannte die Berichte über Gammelfleisch. Sie ahnte, dass es besser wäre, beim Einkauf auf die «Hähnchen-Grillpfanne» für 2,99 Euro zu verzichten.
Karen Duve startete einen Selbstversuch. Ein Jahr lang hat sie sich ethisch korrekt ernährt. Ihren Selbstversuch beschreibt sie im Buch «Änständig Essen», das sich spannend wie ein Krimi liest.
Karen Duves Buch stellt in Frage, ob die Besonderheit und Intelligenz des Menschen tatsächlich eine ausreichende Berechtigung dafür ist, der Tierwelt Mitgefühl und Rechte zu verweigern. Es regt an darüber nachzudenken, ob Grausamkeit gegenüber Tieren nicht zu ächten ist, auch wenn sie innerhalb einer Norm stattfindet. «Wenn der Skandal alltäglich ist, ist es verführerisch zu denken, man bräuchte ihn deshalb nicht zu beachten. In Wirklichkeit heisst das aber, dass unser Alltag ein Skandal ist und dass etwas grundsätzlich falsch ist an der Art, wie wir leben» schreibt sie.
Karen Duve scheitert, und sie scheitert wiederum auch nicht: Am Ende ist sie sich sicher, dass sie nicht die Radikalität der von ihr getesteten Lebensformen übernehmen wird. Sie wählt einen für ihre Person realistischen Kompromiss: Den Fleisch- und Milchkonsum auf ein Minimum reduzieren, möglichst Bio einkaufen, jedoch auf keinen Fall Produkte aus der Massentierhaltung. Es ist der erste Schritt, um ein System zu ändern.
Denn was gibt es Schlimmeres als die Zusammenhänge zu kennen, ohne daraus die Konsequenzen zu ziehen? Weiter
|